Ratgeber Vulkane
Vulkan-Warnstufen und der VEI: Wie die Gefahr eines Ausbruchs gemessen wird
Wenn sich ein Vulkan zu regen beginnt, erhöht das Observatorium, das ihn überwacht, seine Warnstufe. Hier erfährst du, was diese Stufen und Farben bedeuten, wie Forschende die Größe eines Ausbruchs messen und wie viele Vulkane gerade ausbrechen.
Aktualisiert am 4. November 2026
Zwei Arten von Warnungen
Viele Observatorien geben jedem Vulkan zwei Einstufungen: eine für die Menschen am Boden und eine für Flugzeuge, denn Vulkanasche kann Triebwerke auch weit vom Vulkan entfernt beschädigen.
In den USA verwendet der US Geological Survey diese Stufen:
| Warnstufe am Boden | Farbcode für die Luftfahrt | Bedeutung |
|---|---|---|
| Normal | Grün | Der Vulkan befindet sich in seinem üblichen ruhigen Zustand |
| Hinweis | Gelb | Anzeichen von Unruhe über dem üblichen Maß, etwa mehr Erdbeben, Bodenhebung oder Gasaustritt |
| Vorwarnung | Orange | Die Unruhe nimmt zu und ein Ausbruch ist möglich, oder ein kleiner Ausbruch ist im Gange |
| Warnung | Rot | Ein gefährlicher Ausbruch ist im Gange oder wird bald erwartet |
Die Farbcodes für die Luftfahrt werden weltweit verwendet. Die Warnstufen am Boden unterscheiden sich von Land zu Land: Indonesien, Japan, die Philippinen, Italien und andere haben eigene Systeme, manche mit vier und manche mit fünf Stufen. Die Stufe legt immer das nationale Observatorium fest, das den jeweiligen Vulkan am besten kennt.
Was Observatorien beobachten
- Erdbeben: Schwärme kleiner Beben, wenn aufsteigendes Magma Gestein bricht.
- Bodenbewegung: Der Vulkan hebt oder senkt sich – gemessen per GPS und Satellitenradar auf Millimeter genau.
- Gas: mehr Schwefeldioxid und Kohlendioxid, das austritt, wenn sich Magma der Oberfläche nähert.
- Wärme: heiße Stellen, die Wärmebildkameras und Satelliten erkennen.
Unruhe endet nicht immer in einem Ausbruch. Viele Vulkane steigen auf Gelb oder Orange und beruhigen sich wieder, ohne auszubrechen.
Wie groß war der Ausbruch? Der VEI
Der Vulkanexplosivitätsindex (VEI) bewertet explosive Ausbrüche von 0 bis 8, vor allem danach, wie viel Gestein und Asche sie ausstoßen und wie hoch die Eruptionswolke aufsteigt. Ab VEI 2 bedeutet jede Stufe etwa zehnmal mehr Material.
| VEI | Ausgeworfene Asche und Gestein | Beispiel |
|---|---|---|
| 0–1 | Weniger als 0,001 km³ | Lavafontänen und -ströme auf Hawaii und Island |
| 2–3 | 0,001–0,1 km³ | Häufige explosive Ausbrüche am Ätna und am Sakurajima |
| 4 | Mindestens 0,1 km³ | Eyjafjallajökull, Island, 2010 – legte große Teile des europäischen Luftraums lahm |
| 5 | Mindestens 1 km³ | Mount St. Helens, USA, 1980; Vesuv, 79 n. Chr. |
| 6 | Mindestens 10 km³ | Pinatubo, Philippinen, 1991 – kühlte den Planeten um etwa ein halbes Grad ab |
| 7 | Mindestens 100 km³ | Tambora, Indonesien, 1815 – gefolgt vom „Jahr ohne Sommer“ |
| 8 | Mindestens 1.000 km³ | Toba, Sumatra, vor etwa 74.000 Jahren |
Die meisten Ausbrüche haben VEI 2 oder weniger. Ein VEI 6 kommt einige Male pro Jahrhundert vor; einen Ausbruch der Stärke VEI 8 gab es in der überlieferten Geschichte nicht.
Wie viele Vulkane brechen gerade aus?
Rund 1.350 Vulkane an Land gelten als potenziell aktiv, und etwa 50 bis 70 davon brechen in einem typischen Jahr aus. Zu jedem Zeitpunkt sind einige Dutzend aktiv, viele davon über Monate oder Jahre. Das Global Volcanism Program der Smithsonian Institution und der USGS veröffentlichen wöchentlich einen Bericht über neue und andauernde Aktivität, und die App Volcano zeigt ihn zusammen mit der aktuellen Warnstufe jedes Vulkans.
Kein offizieller Warndienst. Im Notfall folge den Anweisungen deiner örtlichen Behörden.